MARKUS WINTERSBERGER · 1994 / 1998 / 2026

Entflachung

PATHFINDER ⇄ THE BODYBOX

Der Körper als Karte – die Karte als Fracht

Neufassung 2026 und experimentelle AV-Übersetzung zweier aufeinander aufbauender Arbeiten: PATHFINDER, digitale Bildmontage 1994, und THE BODYBOX. Skulptur in Bewegung, Installation 1998. Der Ganzkörperscan von 1991 – rund 350 Schwarzweiß­fotografien im projizierten Streifenlicht – wird 2026 erstmals als das gelesen, was er technisch ist: eine Messung.

Neufassung 2026AV 4K 3840 × 2160 · 25 fpsLangfassung 6:24Trailer 2:443D GLB · Animation 2:22Container 720 × 265 × 250 cm
Ganzkörperscan 1991 im Streifenlicht – Kopf frontalMESSLINIE ZIEHEN · KLICK WECHSELT DIE SCHICHT
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AV 2026

4K · 16:9 · MP4
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ENTFLACHUNG · PATHFINDER ⇄ THE BODYBOX (2026) — Langfassung 6:24 · 3840 × 2160 · 25 fps · Stereo · 9 600 Frames · auf YouTube ↗
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Messlicht

STREIFENLICHT 1991 → PHASE 2026

Messlicht. Jede Fläche dieser Arbeit wird erst lesbar, wenn eine rote Messlinie über sie fährt – so wie 1991 das projizierte Streifenlicht den Körper erst als Form lesbar machte.

1991 wurde der Körper in Segmente unterteilt und in Einzelschritten fotografiert, beleuchtet von einem Projektor, der parallele Streifen auf die Haut warf. Die Streifen krümmen sich mit der Oberfläche: Jede Biegung ist eine Höheninformation. Was damals als grafische Haut erschien, ist technisch ein strukturiertes Licht – das Verfahren, mit dem heute 3D-Scanner arbeiten.

2026 lese ich die Fotografien zum ersten Mal als Messung aus. Ein monogenes Signal (Riesz-Transformation, Log-Gabor-Filter) bestimmt pro Bildpunkt die lokale Phase φ der Streifen: die gewickelte Phase erscheint als Blattgold-Sägezahn, ihr Sinus als gewelltes Aluminium-Relief, ihre Nulldurchgänge als rote Isophasen. Rechts im Bild läuft die Messkurve: die Intensität I(x,y) = A + B·cos φ entlang der Linie.

Daraus entsteht die Bildsprache der Neufassung: nur Schwarz, Aluminium (der Container, die auf Alu kaschierten Digitalplots von 1995), Blattgold (die Kopf-Abwicklungen von 1994) und eine einzige rote Linie. Die Schrift ist Overpass – eine freie Interpretation der Autobahn-Beschilderung, auf der die BODYBOX 1998 nach Linz fuhr – und Space Mono für die Messdaten.

Keine generative Bild-KI: alle Bilder stammen aus dem Archiv 1991–2012. Bewegung, Geometrie und Ton werden im eigenen Code (Python · NumPy · Numba · FFmpeg) aus diesen Bildern gerechnet – im Dialog mit Claude (Anthropic).

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Kapitel

LANG 6:24 · TRAILER 2:44
Vorspann – Standbild

Vorspann

LANG 0:00 · TRAILER 0:00

Eine rote Messlinie fährt über den Kopf: das Streifenlicht des Ganzkörperscans 1991 wird zur Phase, aus der Phase steigt der Titel.

I · Streifenlicht – Standbild

I · Streifenlicht

LANG 0:28 · TRAILER 0:12

Acht Körpersegmente, Messlinie für Messlinie: Fotografie → gewickelte Phase φ → Aluminium-Relief → Isophasen. Rechts die Messkurve – die Intensität entlang der Linie.

II · Abwicklung – Standbild

II · Abwicklung

LANG 1:18 · TRAILER 0:30

Der abgewickelte Goldkopf rollt sich zum Körper, wird umschritten, durchschritten, in den Raum gestülpt (κ < 0) und wieder flach – bis die Kamera im Pixel versinkt.

III · Körperlandschaft – Standbild

III · Körperlandschaft

LANG 2:18 · TRAILER 0:52

Das simulierte Kameraauge tastet die Körpernetze als Höhenfeld ab: nah ein flirrendes Pixelbild, aus der Distanz gibt das Bild seinen Inhalt preis.

IV · Trägerfläche – Standbild

IV · Trägerfläche

LANG 3:23 · TRAILER 1:16

2D map für 3D box: das Netz faltet sich zum Industrie-WAB 720 × 265 × 250 cm. Die Rückwand senkt sich, innen läuft die Computeranimation »pathfinder« von 1998.

V · 100 km/h – Standbild

V · 100 km/h

LANG 4:28 · TRAILER 1:38

Wien Aspang – Südosttangente – Krems – A1 – Linz – Rückführung: die statischen Pixel der Videoframes werden auf 100 km/h beschleunigt.

VI · Digitale Streuung – Standbild

VI · Digitale Streuung

LANG 5:13 · TRAILER 1:58

Das Selbst als dichte Streuung (Flusser): Partikel kondensieren zum Gesicht, zerstreuen sich, werden Kugel – und die Kugel landet in der Landschaft (1994–2012).

Nachspann – Standbild

Nachspann

LANG 5:52 · TRAILER 2:20

Werkdaten, Bezüge, Referenzen – über einem langsam treibenden Aluminium-Relief.

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Abwicklung

SPIELFELD · κ

„Meine Präsenz, die Abwicklung, ‚Entflachung‘ und Entgrenzung meiner selbst, ein Herumgehen um und Hindurchgehen durch mich selbst, ein mich in den Raum stülpen …“

Markus Wintersberger 1996

0 = gerollt (Kopf) · 1 = flach (Abwicklung) · 1,8 = ausgestülpt θ
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Faltnetz

THE BODYBOX · 1998

2D map für 3D box: Die abgewickelte Körperoberfläche wird zum Schnittmuster eines Industriecontainers – des begehbaren „Industrie-WABs“, 720 × 265 × 250 cm, außen mit Digitalkopien überzogen, innen mit der Computeranimation »pathfinder«.

Ziehen dreht die Ansicht. · Bastelbogen 1:50 (PNG, 300 dpi) ↓ – die BODYBOX zum Selberfalten.

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100 km/h

WIEN – KREMS – LINZ 1998

„Die einzelnen statischen Pixel des mit meiner verfremdeten Körperoberfläche beklebten Containers werden auf der Autobahn auf 100 km/h beschleunigt – das Objekt wird gleichsam in einem dynamischen Pixelflug aufgelöst.“

Markus Wintersberger 1998

≈ 0 km
WIEN · ASPANG-INDUSTRIEBAHNHOFA23 · SÜDOSTTANGENTES33 · KREMS · LKW-STANDPLATZA1 · ST. PÖLTENA7 · LINZER STADTAUTOBAHNO.K CENTRUM · LINZ

Der Weg der „pixelbeschleunigten IndustrieWABaußenraumskulptur“: Wien Aspang-Industriebahnhof – Südosttangente – Schnellstraße nach Krems – LKW-Standplatz Krems – A1 nach Linz – Linzer Stadtautobahn – O.K Centrum für Gegenwartskunst – Rückführung und Lagerung. Stationen antippen.

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Ton

SONIFIKATION

Der Ton ist aus den Bilddaten gerechnet. In Kapitel I wird die Messkurve unter der Messlinie zur Wellenform: Jede Zeile des Scans ist ein Abtastwert, jedes Segment hat seinen Grundton (55 Hz · 9/8 · 6/5 · 4/3 · 3/2 …). Auf dieser Seite lässt sich das mit „○ TON“ an der Messlinie selbst hören.

In Kapitel II wird die Bildzeile des rotierenden Kopfes als Wavetable gelesen – die Drehung verschiebt das Spektrum; flach klingt der Kopf höher, ausgestülpt tiefer, im Inneren gedämpft.

Kapitel III: gefilterter Wind, dessen Grenzfrequenz mit der Flughöhe sinkt, darunter ein Ton, dessen Höhe dem Gelände unter der Kamera folgt.

Kapitel IV klingt in den Raummoden des Containers: f = c/2 · √((nx/7,20)² + (ny/2,65)² + (nz/2,50)²) – 23,8 Hz, 47,6 Hz, 64,7 Hz, 68,6 Hz … Dazu das 50-Hz-Netzbrummen des Projektors und die Videoanimation 1998 als Wellenform.

Kapitel V: Straße, Reifen, Motor als Funktion der Geschwindigkeit, Doppler-Passagen, ein Klick alle 10 km. Kapitel VI: Granularwolken, deren Dichte der Streuung folgt und die beim Kondensieren zu Partialtönen von 110 Hz zusammenfinden.

Mastering: −16 LUFS, True Peak −2 dBTP, Stereo 48 kHz.

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Die Werke

1994 · 1998

PATHFINDER · Digitale Bildmontage 1994 · Fotografie. Animation. Video
„Ein in Segmente unterteilter Körper wird in Einzelschritten mit Makrofotographie aufgenommen und am Computer zu einer homogenen Oberfläche zusammengesetzt. Die digitalisierte Körperoberfläche dient als Ausgangsmaterial weiterer Untersuchungen … Der abgewickelte Körper wird zur subtil abgestuften Oberfläche eines Landschaftsraumes, welcher mit diesem simulierten Kameraauge abgetastet wird.“

„Mein Außen, meine Trennfläche zu dem ‚Anderen‘, Fremden, wird in der Bildfindung zu einem ‚Neuen‘, für mich wiederum ‚Anderen‘. Auf der Suche nach mir selbst finde ich ein ‚Anderes‘, mir jedoch ‚vertraut Fremdes‘.“ Markus Wintersberger 1996

THE BODYBOX. Skulptur in Bewegung · Installation 1998 · LKW. Container. Animation. Video. Performance. Fotografie
„Ein Industriecontainer wird im öffentlichen Raum positioniert, dieser dient als ‚Trägerfläche‘ für die digital verfremdete Körperlandschaft. In seinem Inneren, der Stirnseite, wird ein computeranimierter Flug über den abgewickelten Kopf projiziert … Das Objekt soll einerseits anziehen, ‚Neugierde‘ wecken, andererseits soll es abstoßen, auf ‚Distanz‘ zum sozialen Gefüge gehen.“

Begehbarer Industrie-WAB, 720 × 265 × 250 cm · Videoprojektion Computeranimation »pathfinder« im Inneren · Außenwände überzogen mit Digitalkopien (Klebefolien) · O.K Centrum für Gegenwartskunst Linz 1998, „Natürlich Künstlich. Besichtigung eines hybriden Gebildes“.

„Der Körper als Haus, als Konstruktion oder auch als begehbarer Sarkophag mit Innenleben …“SABINE WINKLER · NATÜRLICH KÜNSTLICH · O.K LINZ 1998
„Wir haben uns selbst – unser ‚Selbst‘ – als eine derartige ‚digitale Streuung‘, als eine Verwirklichung von Möglichkeiten dank dichter Streuung zu begreifen.“VILÉM FLUSSER · DIGITALER SCHEIN · IN: MEDIENKULTUR, FRANKFURT/MAIN 1997, S. 212
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Referenzen

BEZÜGE

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Auf der Suche nach mir selbst finde ich ein „Anderes“, mir jedoch „vertraut Fremdes“.
Markus Wintersberger · medienwerkstatt006 · 1994 / 1998 / 2026
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