
Vorspann
LANG 0:00–0:22 · TRAILER 0:00–0:12Ein schmales Lid öffnet sich über dem kleinen Planeten von 2022. Titel, Auftrag (Videocity · Eye/View), Orte. Die Frage „How many frames does the moment have?“ – Antwort: 64.
NAGL ~ WINTERSBERGER · 2016 / 2022 / 2026
Häutung des Augenblicks · Shedding the moment

2022 haben nagl ~ wintersberger eine Begegnung von Schlange und Schach auf einem Berg der Hohen Tauern in eine 360°-Videoarbeit gefasst – im Auftrag von Videocity für den Zyklus Eye/View. 2026 wird die Frage dieser Arbeit wörtlich genommen: How many frames does the moment have? — Vierundsechzig. Acht mal acht. Ein Schachbrett.
Die Neufassung baut jede Zeitangabe auf diesem Maß auf. Ein Moment sind 64 Frames (2,56 s bei 25 fps); jeder Frame hat eine Adresse auf dem Brett, von a1 bis h8 – sie läuft unten rechts im Bild und oben in dieser Seite mit. Die Langfassung umfasst 7 100 Frames, also 110 Momente und 60 Frames.
Fünf Kapitel übersetzen fünf Sätze des Werktexts von 2022 in je ein Bildverfahren: den Lidschlag (wie lange dauert ein Augenblick?), das Brett (Bildfrequenz und Blickrichtung bestimmen die Beziehung), die Häutung (die Schlange streift ihre Haut ab und hält die Zeit an), den kleinen Planeten (Raumzeitkrümmung, Fernrohr, Schlüsselloch) und das Patt (der Stillstand friert den Augenblick ein).
Die Bildsprache ist streng: Schwarz und Weiß als Haut, die Farbe darunter. Das Lid – eine Mandelform – öffnet und schließt jeden Blick. Keine generierten Bilder: das Material sind die 244 Fotografien von Bergwesen oder Natternhemd (2016) und die beiden 360°-Videos Left Eye und Right Eye (2022) mit ihrem Originalton.
Die historische Perspektive ist eingeschrieben: Muybridges zerlegter Augenblick (1878), Lewis Carrolls Schachaufgabe hinter dem Spiegel (1871), die „Unsterbliche Partie“ von London (1851) und die stereografische Projektion der antiken Astronomie, aus der heute der „Little Planet“ der 360°-Kameras geworden ist.
A moment is as many seconds as someone blinks.nagl ~ wintersberger · A moment snake and chess · 2022
A moment of space, a moment of time. An encounter of snake and chess. A game. A game guide. Metamorphosis and transformation. On a mountain. In the Hohe Tauern Austria. In 2016.
A moment is an unspecified interval of time. A moment is as many seconds as someone blinks. What is an instant movement? What is an instant video? How many frames does the moment have?
Everything and nothing is in the moment. Infinity connects with impermanence. The snake begins to shed its skin and stops time. Checkmate or draw?
Slow motion, fast forward, time lapse. Image frequency and viewing direction determine the relationship. Little planet space-time curvature.
As if through a keyhole, a strange world looks at us. At the other end of the telescope, the image frees itself and takes us into a wonderland of Alice, the snake and chess.
The sound symbolizes the relationship between time stretching and the merging of a moment into a continuum. A standoff freezes the moment, stops time. The moment binds us and connects us to the past and the future.
Black, white, black, white. We haven't run out of color yet.
Commissioned by Videocity, 16.10.–04.12.2022, St. Pölten – Eye/View

Ein schmales Lid öffnet sich über dem kleinen Planeten von 2022. Titel, Auftrag (Videocity · Eye/View), Orte. Die Frage „How many frames does the moment have?“ – Antwort: 64.

Die Fotoserie 2016 in Schwarz-Weiß. Jedes Bild steht so lange wie ein Moment dauern kann: 64 → 6 → 64 Frames. Bei langen Haltedauern schließt das Lid, bei kurzen kneift das Auge zusammen. Jede Haltedauer ist ein Ton: Bildfrequenz × 128.

Das Bild wird Schachbrett: 8 × 8 Felder zu 480 × 270 px. Jedes Feld zeigt dasselbe 360°-Video zu einer anderen Zeit, Feldabstand Δt = 0 → 1 → 4 → 16 → 64 Frames. Gespielt wird die „Unsterbliche Partie“ Anderssen – Kieseritzky (London 1851): Die Figur trägt ihre Zeit mit sich. Weiße Figuren positiv (linkes Auge), schwarze negativ (rechtes Auge), leere Felder gedämpft.

Die Schwarz-Weiß-Haut gleitet von den Fotografien ab, eine weiße Häutungslinie wandert über das Bild. Darunter liegt die Farbe – sie war nie weg. Die leere Hülle bleibt als blasser, verschobener Schatten zurück.

Stereografische Projektion der Fotografien. Die Kameraneigung wandert von −90° (kleiner Planet, Nadir als Pupille) über den Horizont nach +90° (Tunnel, Fernrohr). Am anderen Ende des Fernrohrs öffnet sich ein Schlüsselloch auf das Right-Eye-Video und befreit das Bild.

Linkes und rechtes Auge nebeneinander. Die Zeitrate sinkt von 1 auf 0, ein Slit-Scan dehnt den Moment über 48 Frames: der Stillstand. „Checkmate or draw?“ Dann kehrt die Farbe Feld für Feld zurück – 64 Felder in 64 Frames.

Mitwirkende, Original, Material und Verfahren, Referenzen, Links. „The moment binds us and connects us to the past and the future.“
„The sound symbolizes the relationship between time stretching and the merging of a moment into a continuum.“ — Der Originalton von 2022 bleibt die einzige Klangquelle; er wird gedehnt, zerlegt, eingefroren.
| Kapitel | Verfahren |
|---|---|
| Vorspann · Nachspann | Paulstretch des Originaltons × 32 – ein Ausschnitt von 60 s wird zum Kontinuum; Glocke auf „64“. |
| I · Lidschlag | Jede Haltedauer h ist ein Ton: (25 / h) Hz × 128. 64 Frames → 50 Hz, 6 Frames → 533 Hz. Das Lid ist ein Geräusch (gefiltertes Rauschen + 46 Hz). |
| II · 64 Felder | Vier Lesestimmen des Originaltons im Abstand von 21 · Δt Frames (wie die Felder). Jeder Zug: Schachuhr links/rechts, Ausgangs- und Zielfeld als Teiltöne 8–15 von 55 Hz (Reihe = Tonhöhe, Linie = Panorama), Schlagen = Rauschstoß, Schach = Halbtonreibung, Matt = Akkord. |
| III · Häutung | Rascheln (Bandrauschen) und 30-ms-Körner des Originaltons folgen Geschwindigkeit und Richtung der Häutungslinie; wenn die Farbe frei ist, schwillt ein Klang an. |
| IV · Kleiner Planet | Paulstretch × 8 durch sechs Bänder, deren Mitte der Krümmung folgt; Rotation als Panorama-LFO. Im Schlüsselloch: der Originalton in Echtzeit. |
| V · Patt | Granulare Zeitlupe, die exakt der Bildzeit folgt: Rate 1 → 0 ergibt den spektralen Stillstand. Farbrückkehr: 64 Glocken in 64 Frames. |
Halte das Auge geschlossen, so lange dein Augenblick dauert: Feld drücken und halten (oder Leertaste). Die Dauer wird in Frames bei 25 fps gezählt und – wie in Kapitel I – als Ton hörbar: Bildfrequenz × 128.
Ein Moment = 64 Frames = 2,56 s.
Weitere Experimente: Labor — Kleiner Planet · 64 Felder · Häutung

Performative Intervention, Fotoserie · Hohe Tauern, Hochschwab · 244 Fotografien · Text Andrea Nagl

A moment snake and chess · Left Eye / Right Eye / AI · Videocity St. Pölten 2022

Der kleine Planet als animiertes Modell: ein Duett in zehn Momenten

Kleiner Planet im Browser · die Partie von 1851 auf 64 Feldern · Häutung

Interaktives 3D-Spiel: Springer-Puppe gegen Schlangen-Puppe auf dem kleinen Planeten. Jeder L-Sprung häutet die Schwarz-Weiß-Haut, die Schlange (KI) legt sie wieder an – 64 Züge sind ein Moment. Mit Duett KI ⇄ KI und dem Springerweg nach Warnsdorff.
| Jahr | Werk | Ort / Kontext |
|---|---|---|
| 2016 | Bergwesen oder Natternhemd · Performative Intervention, Research, Fotoserie | Schobergruppe / Hohe Tauern: Winklerner Hütte / Winkler Vieh Alm, Wangenitzsee, Eissee / Niedere Gradenscharte, Großer Gradensee / Adolf-Noßberger-Hütte, Gartl / Hochschoberhütte, Trelebitsch Kar · August 2016 |
| 2016 | Bergwesen oder Natternhemd II | Hochschwab-Massiv · August 2016 |
| 2022 | A moment snake and chess [PART 1 – Left Eye Version] – 360° · 4:16 · sound · 16:9 [PART 2 – Right Eye Version] – 360° · [AI] · [AI] – 360° | Commissioned by Videocity · Eye/View · St. Pölten · 16.10.–04.12.2022 |
| 2026 | A MOMENT SNAKE AND CHESS · HÄUTUNG DES AUGENBLICKS · Langfassung 4:44 · Trailer 2:24 · 3D-Rekonstruktion (GLB, Sketchfab „Kleiner Planet II“ ↗) · 3D-Animation „Duett in zehn Momenten“ 2:22 ↗ · Puppen-Schach (interaktives 3D-Spiel) | Neufassung · medienwerkstatt006, Wien |
Konzept, Performance: nagl ~ wintersberger (Andrea Nagl, Markus Wintersberger) · Fotografie, 360°-Video, Ton 2016 / 2022: nagl ~ wintersberger · Neufassung 2026 — Bild, Ton, Programmierung, 3D: Markus Wintersberger · medienwerkstatt006 · Text „Bergwesen oder Natternhemd“: Andrea Nagl © 2016
| Fassung | Dauer | Format |
|---|---|---|
| Langfassung | 4:44 · 7 100 Frames | 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 High 5.1 · AAC 256 kbit/s 48 kHz · −16 LUFS |
| Trailer | 2:24 · 3 600 Frames | 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 High 5.1 · AAC 256 kbit/s 48 kHz · −16 LUFS |
| 3D-Animation | Duett in zehn Momenten · 2:22 | 3840 × 2160 · 25 fps · Blender EEVEE (1440 × 810, Lanczos-skaliert) · geriggtes Duett |
| 3D-Szene | Schleife 25,6 s | glTF 2.0 Binary (GLB) · Terrain auf der Kugel, Textur aus den Fotografien 2016 · 2 geriggte Figuren (MakeHuman CC0) mit Animation |
Deterministische Bildfunktion F(Fassung, Frame) in Python/NumPy, gerendert in Blöcken zu 500 Frames über eine ffmpeg-Pipe (x264). Fotos einmalig als 4K-Cache, Videos als 480 × 270-Felder-Cache und als Strom. Stereografische Projektion per cv2.remap; Slit-Scan zeilenweise aus einem Ring der letzten 80 Frames. Ton: eigene Paulstretch-Implementierung, additive Glocken, Granularsynthese; Loudness zweistufig.
Keine generative Bild- oder Ton-KI in der Neufassung. Die [AI]-Fassungen von 2022 bleiben als Teil des Originals dokumentiert.
Weitere AV-Neufassungen 2026: RHYTHMUS 11 — LESEKOPF 2026 · UNSTERN 2026 · DIE ANDERE SEITE — GLASWAND 2026 · GAMMARAY — DER ACHTE SATZ 2026 · GRANAT — BRÜCKENSCHLEIFE 2006 ⇄ 2026 · MOVING GALLERY — TRANSIT 2026
Projektseiten: Häutung des Augenblicks 2026 · Bergwesen oder Natternhemd 2016 · Original 2022 · Eye/View · 3D-Rekonstruktion · Labor · Puppen-Schach · Spiel