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KAMMER ⇄ KÖRPER
Jedes Haus erscheint im Medium des anderen: Kleiners Kabinett von 1744 aus Fotografien der Landesgalerie, ihre Titanzink-Haut aus 4.758 Artefakten der Wunderkammer. 21 Stationen vom Oktogon zur 30°-Raute.
Markus Wintersberger · medienwerkstatt006
„Hier ist jeder Quadratzentimeter anders.“Marte.Marte Architekten über die Landesgalerie Niederösterreich (zit. nach Der Standard, 2019)
GöttwAIg Wunderkammer(21) auf dem Göttweiger Berg und das eXperimentalmuseum TORSIO in der Landesgalerie Niederösterreich – 4.579 Meter Sichtachse über der Donau. Zwei Häuser übersetzen sich ineinander: in ein drittes Museum über dem Strom (I) und in eine immersive Ausstellung, in der die Landesgalerie zur Black Box wird (II).
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Jedes Haus erscheint im Medium des anderen: Kleiners Kabinett von 1744 aus Fotografien der Landesgalerie, ihre Titanzink-Haut aus 4.758 Artefakten der Wunderkammer. 21 Stationen vom Oktogon zur 30°-Raute.
IINEU
Die Wunderkammer als fiktive, immersive Ausstellung in der Landesgalerie: Fassade als projizierte Archivhaut, Black Box mit Spiegelböden, Dunst und Leuchtlinien, fünf gedrehte Ebenen von INFERNVM bis CAELVM, Anamorphosen und Laterna magica.
Am 4. November 2026 umrunde ich die Landesgalerie Niederösterreich in Krems-Stein, steige durch ihre Treppenhäuser, gehe durch die Sammlung, stehe auf der Terrasse und schaue nach Göttweig. 240 Fotografien, sieben Begehungen in 4K. Das Material ist kein Dokument im strengen Sinn, sondern Aufzeichnung eines Körpers: Schritte, Schwenks, Atem, Unschärfe. TORSIO ist die autofiktionale Übersetzung dieser Begehung in das eXperimentalmuseum – den seit 2020 laufenden Zyklus über das Museum als instabilen, digitalen Raum.
Das Gebäude von Marte.Marte Architekten (2019) ist dafür ein idealer Gegenstand. Ein Würfel, um seine Nordwestkante verdreht: Aus geraden Linien werden hyperbolische Paraboloide, aus der Kiste eine Skulptur, die sich bei jedem Schritt verändert. Eine Haut aus rund 7.200 Titanzink-Rauten, vier Glasbögen, ein Einschnitt mit Blick auf Stein und Göttweig, innen zwei Treppen als Doppelhelix, jedes Geschoss ein anderer Grundriss.
TORSIO liest das Haus als Formel und das Museum als Zustand: Was passiert mit dem Begriff „Museum“, wenn die Hülle zu Daten, die Daten zu Punkten und die Punkte zu spekulativer Skulptur werden – und was bleibt, wenn man das Ganze wieder zurückübersetzt?
Teile
◆ AV-Video NEXT STATE · Langfassung 5:54 · 16:9 · 4K · acht Zustände: SIGNAL · HAUT · TORSION · SCHACHT · ACHSEN · ARCHIV · NEXT
◆ AV-Video NEXT STATE · Trailer 3:34 · verdichtete Montage aus dem erweiterten Archiv
◆ beide Filme zusätzlich mit englischer Off-Stimme (EN-VO)
◆ TORSIO 3D · rekonstruierte, animierte 3D-Szene (GLB) und 3D-Animation 3:46 (226 s)
◆ Digitaler Zwilling · das leere Gebäude photorealistisch als GLB und Web-Labor für Ausstellungsentwürfe, Raumvarianten und kuratorische Neusetzungen; Audio-3D-Animation „ein Tag in 188 s“ (4K)
◆ TORSIO · Art-&-Science-Spiel · Web, Ausstellungsmodus, Desktop (macOS, Windows), AR
◆ Raumlabor · der leere Körper als Simulationsbasis für eigene Bespielungen und Ausstellungskonzepte
◆ Labor · Torsionsregler · Rautenmaschine · Blickachsen-Kompass
Bild, Klang und Stimme folgen in den NEXT-STATE-Filmen einer gemeinsamen Partitur: Jeder Zustand hat seine Tonlage (Drone), jeder Schnitt einen Klick, vor jedem Satz der Off-Stimme schwillt der Klang an, danach antwortet ein Akkord; Schlüsselwörter erscheinen als kinetische Typografie. Originalton der Begehung und Sonifikation der Bild- und Archivdaten – ein stehender Klang, der sich wie die Hülle um 30° „verdreht“.
Das eXperimentalmuseum ist eine offene digitale Werkserie aus dem Jahr 2020: ein virtuelles Museum für 3D-Objekte, Point Clouds, Mesh-Fragmente und spekulative Skulpturen. Es verlagert die Logik des Museums in einen instabilen Raum – nicht als neutrale Präsentationsarchitektur, sondern als Labor, Speicher und Versuchsanordnung. Der Fehler des digitalen Aufzeichnens wird zur Form; gesammelt werden Zustände, nicht Objekte.
TORSIO ist das erste ortsgebundene Kapitel: Das virtuelle Museum betritt ein reales. Die neun Modelle der Sketchfab-Collection – Donauspuren, Glacier, Ich bin alles zugleich, Lost Highway, Lower Austria Art Mesh, Pointcloud, Skull – Death is a Mistake und zwei Fassungen des eXperimentalmuseum – werden als Punktwolken in die Geschosse der Landesgalerie gestellt.
Die Landesgalerie war schon 2022/23 Station von [XR] NOE | HUMAN NATURE (Nagl ~ Wintersberger): Löss Krems, eine der sieben Großlandschaften Niederösterreichs. TORSIO knüpft daran an – Körper, Ort, erweiterte Realität.

Ein Begriff in Bewegung. „Museum“ meinte erst einen Ort der Forschung, dann einen Raum des Staunens, dann eine öffentliche Institution, schließlich eine Architektur mit eigener Bildmacht – das „Bilbao-Museum“, das selbst zum Exponat wird. Die Landesgalerie gehört zu dieser Generation und zugleich zu einer leiseren Bewegung, die das Architekturmagazin PARNASS 2019 als europäisches „Finetuning“ beschrieb: kleinere, präzise Häuser mit regionalen Themen.
Monolith als Medium. Ausstellungsräume wollen fensterlos sein – die Fassade wird dadurch frei für etwas anderes: Sie kommuniziert. Die Verdrehung ordnet zudem den Stadtraum: Das Erdgeschoss folgt der Ordnung der Stadt, das oberste Geschoss wendet sich Landschaft und Donau zu (nach Franziska Leeb).
Heute und morgen. Das Museum ist längst auch Datenbank, Plattform, Interface. Das eXperimentalmuseum nimmt diese Verschiebung ernst: Es baut keine Kopie der Landesgalerie, sondern eine Rückübersetzung – eine Simulation, die man bespielen, verdrehen, durchwandern und neu kuratieren kann.

| Grundquadrat | ≈ 33 m (EG) |
|---|---|
| Deckquadrat | ≈ 30 m |
| Verdrehung | ≈ 30° um die Nordwestkante |
| Höhe | ≈ 22 m |
| Hülle | ≈ 7.200 Rauten aus Titanzink, diagonal verlegt |
| Erdgeschoss | vier flache Glasbögen · 91 einzeln berechnete Scheiben |
| Tragwerk | doppelt gekrümmte Stahlbetonschale, zwei Kerne |
| Flächen | 6.850 m² BGF · ≈ 3.000 m² Ausstellung |
| Architektur | Marte.Marte Architekten, Feldkirch · PL Alexandra Grups |
| Bauzeit | 05/2016 – 12/2018 · Eröffnung 25./26.05.2019 |
Die Regel ist einfach: Zwei ungleiche Quadrate werden mit geraden Kanten verbunden. Weil das obere gegenüber dem unteren gedreht ist, entstehen zwischen den Kanten hyperbolische Paraboloide – doppelt gekrümmte Flächen, die vollständig aus Geraden bestehen. Der Regler links verdreht den Würfel live; die gelben Erzeugenden zeigen, wie aus Linien eine Kurve wird.
Werte nach nextroom.at, Der Standard und Spectrum (2019); Abweichungen der Quellen sind möglich. Die 3D-Rekonstruktion ist eine Interpretation, keine Bauaufnahme.
NEXT STATE · acht Zustände statt Kapitel: SIGNAL · HAUT · TORSION · SCHACHT · ACHSEN · ARCHIV · NEXT. Keine Dokumentation, sondern ein Gebäude, das über sich selbst spricht – Bild, Klang und Stimme folgen einer gemeinsamen Partitur: jedes Wort setzt einen Schnitt, jeder Zustand seine Tonlage. Nur das leere Haus, Hülle, Schacht, Landschaft – am Ende: This is not my end. This is my next state.
NEXT STATE · verdichtete, radikalisierte Montage aus dem erweiterten Archiv der Begehung: Bursts, Spaltbilder, Droste-Schächte, Punktwolken. Sechs Sätze der Off-Stimme setzen die Schnitte.
Photorealistische Audio-3D-Animation des digitalen Zwillings: von der Morgendämmerung über dem Museumsplatz durch den Glasbogen, im Schacht der Doppelhelix hinauf, durch das leere 3. OG auf die Terrasse mit Göttweig – bis die Innenlichter in der Nacht den Körper zur Laterne machen. Klang: Originalton der Begehung, Glocken, Wind, Tageslauf.
Drohnenflug durch die Rekonstruktion: über die Donau, um die verdrehte Hülle, durch einen Glasbogen, im Auge der Doppelhelix hinauf, auf die Terrasse mit Blick nach Göttweig – dann löst sich die Hülle in Punkte.







Off-Stimme (EN · Artlist, Stimme „Gravity“), das Gebäude spricht: „Before I was a building, I was a figure of thought.“ · „Seven thousand two hundred scales.“ · „Thirty degrees.“ · „Two stairs climb past each other, and never meet.“ · „A museum is a machine for looking. I look back.“ · „Now I become data.“ · „This is not my end. This is my next state.“ · „Torsio. An experimental museum. Still turning.“
Die Landesgalerie als Formel, 1 Einheit = 1 Meter: Grundquadrat 33 m, Deckquadrat 30 m, um 30° um die Nordwestkante verdreht, Höhe 22 m. Daraus errechnet ein eigener Python-Exporter die Hülle als Regelflächen, schneidet die vier Glasbögen und den Terrassen-Einschnitt im 3. OG, legt Geschossdecken, Wandsystem, die beiden Kerne und die Doppelhelix – zwei Treppen, je 11 m pro Umgang, um eine halbe Drehung versetzt – in den Körper.
Die Haut sind prozedurale Titanzink-Rauten, die Kerne Sichtbeton mit Schalungsfugen und Ankerlöchern, die Böden helle Eiche. Ringsum der reale Stadtraum: rund 700 Gebäude von Krems-Stein in ihren echten Grundrissen (OpenStreetMap) – Kunsthalle, Karikaturmuseum, Kremser Tor, Altstadt Stein –, der tatsächliche Uferverlauf der Donau, das Steiner Tor und der Göttweiger Berg mit dem Stift an ihren realen Positionen. In den Geschossen stehen die neun eXperimentalmuseum-Modelle als Punktwolken.
Animationen im GLB: Drohnenflug_226s mit der Kamera Kamera_Drohnenflug (die Fahrt des 3D-Films), TORSIO_0-30-Grad (Morph des Kantenmodells) und Archiv_Rotation_60s. Rekonstruktion als spekulative Übersetzung – aus publizierten Daten und der eigenen Begehung erschlossen, nicht vermessen.
Weiterentwickelt im digitalen Zwilling: das leere Gebäude mit Oberflächen aus den Fotografien der Begehung, offenem Helix-Schacht, Geländern, Lichtbändern und Tageslicht.
Ein Spiel über das Museum in Raum und Zeit – von Alexandria bis zur KI-Varianz, vom Würfel zur Skulptur, von Krems nach Göttweig. Sechs Modi:
I · MVSEION – Zeitachse: Ordne zwölf Stationen des Museumsbegriffs, von 280 v. Chr. bis 2026.
II · TORSION – Formfinder: Verdrehe und verjünge den Würfel, bis er mit der Landesgalerie zur Deckung kommt.
III · BLICKACHSEN – Auf der Terrasse: Finde fünf Achsen: Stift Göttweig, Donau, Kremser Tor, Altstadt Stein und Kunsthalle.
IV · DOPPELHELIX – Steige im Treppenhaus auf und sammle zwölf Bildfragmente der Begehung.
V · KURATOR – Stelle die neun eXperimentalmuseum-Modelle in die Geschosse – dein Museum als PNG.
VI · AR – Die Landesgalerie als Tischmodell in deiner Kamera.
Desktop-App
Electron · Version 1.3 · offline lauffähig · enthält Zwilling-Labor (Start), Spiel und Raumlabor. macOS: beim ersten Start Rechtsklick → Öffnen.
Nach dem Vorbild des Raumlabors für das Haus der Digitalisierung Tulln (Lucid Dreams ECHOES): die Landesgalerie als leerer, fotorealistisch angenäherter Körper – Hülle, Geschosse, Kerne, Doppelhelix, Terrasse – ohne Kunst. Eine Basis, um eigene Bespielungen und Ausstellungskonzepte durchzuspielen.
Geschoss wählen, Hülle aufschneiden, Elemente setzen: Sockel, Wand, Vitrine, Monitor, Projektion, Licht, Klang, Zone, Punktwolke. Eigene Videos auf Wände oder Projektionen legen (bleiben lokal im Browser). Ansichten: Außen, Geschoss, Terrasse, Helix, Drohnenflug. Export als PNG, JSON, CSV und GLB – das Konzept wandert so in Blender, Unreal oder zurück ins Raumlabor.
Maße aus der Rekonstruktion TORSIO; für die reale Planung gelten die Pläne der Landesgalerie.
Die Landesgalerie als digitaler Zwilling: das nackte Gebäude ohne Ausstellung, ohne Werke, ohne Zeitstempel. Aus Fotografien der Begehung und publizierten Plänen gebaut – Titanzink-Rauten, Sichtbeton der Kerne, Eichenböden, Deckenlamellen und Lichtbänder, schwarze Stahlgeländer mit Eichenhandlauf, die Doppelhelix mit offenem Schacht, Glasbögen, Terrasse, Museumsplatz, Donau und Göttweig. Sonnenstand und Himmel folgen dem Tageslauf über Krems.
Raum – Geschosse aufschneiden, Blicke, Begehung (WASD), Tageszeit. Entwurf – Raumvarianten (leer · Kabinette · Achsen · Torsion · Blackbox · Labor), Oberflächen-Themen, Elemente setzen: Wand, Sockel, Vitrine, Projektion, Bank, Licht, Klang, Zone; eigene Bilder und Videos auf Wände. Kuratieren – Parcours aus Stationen mit Texten, als kuratorische Partitur abspielbar. Export – PNG 4K, JSON, CSV, GLB, Link.
Im Zwilling animiert: Zwilling_188s, die Kamerafahrt der Audio-3D-Animation. Die Desktop-App enthält das Labor offline.
Spekulative, maßlich angenäherte Rekonstruktion; für reale Planung gelten die Pläne der Landesgalerie Niederösterreich.

Fast fensterlos, öffnet sich das Haus nur dort, wo es will: Der rechteckige Einschnitt im obersten Geschoss bildet eine Terrasse und zwei Öffnungen – eine rahmt die Steiner Altstadt, die andere Stift Göttweig jenseits der Donau. Der Kompass rechnet Richtung und Entfernung von der Landesgalerie (48,4044° N · 15,5875° O) zu den Zielen der Begehung.
Jedes Bild als Titanzink-Haut: Wähle ein Foto der Begehung oder ein eigenes Bild und lege es in diagonale Rauten. Die Zahl unten zeigt, wie viele Schindeln es wären.
Die Doppelhelix als Zeitmaschine: Jede Zeile des Bildes stammt aus einem anderen Moment des Aufstiegs. Video starten, Tiefe regeln.
Fotografien: Markus Wintersberger, iPhone, 04.11.2026. Bewusst ohne Ausstellungsansichten: gezeigt wird nur das Gebäude, nicht die zeitgebundene Bespielung.
Der Blick von der Terrasse nach Göttweig ist der Faden zum zweiten Projektstrang: TRANSLATIO verbindet TORSIO mit GöttwAIg Wunderkammer(21). Jedes Haus erscheint im Medium des anderen – Kleiners Kabinett von 1744 aus den Fotografien dieser Begehung, die Titanzink-Haut der Landesgalerie aus 4.758 Artefakten der Wunderkammer. Auf der 4.579-m-Achse über der Donau entsteht ein drittes Museum.

Die zweite Fassung von TRANSLATIO macht die Landesgalerie selbst zum Schauplatz: SIDVS GOTWICENSE. Die Fassade wird projizierte Archivhaut, das Haus Black Box mit Spiegelböden, Dunst und Leuchtlinien. Die Drehung der fünf Geschoße ordnet eine Kosmologie – INFERNVM, TERRA, MICROCOSMVS, DISCRIMEN, CAELVM – um eine Helix aus 4.758 Artefakten. Nichts wird nachgebaut: Das Alte kehrt als Licht, Partikel, Spiegelung, Scan und Strom wieder, mit Anamorphosen, Laterna magica und Quadratura als Verweis auf die Bildmaschinen des Barock.

Zugriff jeweils am 05.11.2026