Langfassung
Neun Sätze in die Tiefe und zurück: vom Stift über die Achse in die Black Box, durch die fünf Ebenen von INFERNVM bis CAELVM, zum Zentralgestirn – ∞ – Abspann.
Nichts wird nachgebaut. Das Alte kommt nur als Licht, Partikel, Spiegelung, Scan und Strom zurück – und setzt sich in einem verdrehten Haus zu einem neuen Gestirn zusammen.
Die Fassade wird projizierte Archivhaut. Das Haus wird Black Box: Spiegelböden, Dunst, Leuchtlinien. Man steigt nicht durch Säle, sondern durch eine Kosmologie.
Die Landesgalerie in Krems verdreht sich über fünf Geschoße um bis zu 22°. SIDVS GOTWICENSE nimmt diese Torsion wörtlich: Jede Ebene ist ein eigener Weltteil – unten das INFERNVM, oben das CAELVM, dazwischen Erde, Kammer und Unterscheidung. Im Kern windet sich eine Helix aus allen 4.758 Artefakten des Wunderkammer-Archivs als Lichtschacht nach oben.
Göttweig ist nicht Kulisse, sondern Richtung: Eine Lichtlinie verbindet die Terrasse mit dem Stift, 4.579 m über die Donau. Anamorphosen, Laterna magica und Quadratura zitieren die Bildmaschinen des Barock – als Verweis auf ihre historischen Bedingungen, nicht als Kostüm.

Trogers Kaiserstiegen-Fresko als Kuppel aus 60.000 Lichtpunkten. Ein Orrery lässt Artefakte als Planeten um ein pulsierendes Zentralgestirn kreisen; die Lucerna wirft ihre Diapositive in den Raum, an der Nordwand öffnet Kleiners Musei Contignatio superior eine gemalte Tiefe – Quadratura ohne Decke.

Bessels Idealplan als Wolke aus 160.000 Punkten, durch die eine Scanebene wandert. Die kinetische Gerichtswand: 66 Tafeln, die zwischen Himmel und Hölle kippen – Unterscheidung als Bewegung, nicht als Urteil.

Die Contignatio von 1744 nur noch als Kantenlinie. Darin ein Schwarm aus 520 schwebenden Bildflächen und elf Lichtsäulen, in denen Objekte als Punktwolken stehen – die Kammer ohne Schrank.

Der Dornauszieher als atmender Körper aus 70.000 Punkten über einem Laserstern. Eine Lichtlinie zielt 4.579 m weit auf Göttweig. Auf dem Boden die Nachtkarte mit Radarstrich; an der Wand 576 Splitter eines Kleiner-Stichs, die sich nur von einem Punkt im Raum zur ANAMORPHOSE schließen.

Ein schwarzes Spiegelbecken. 1.400 Fragmente der Artefakte fallen glühend in die Tiefe, Leuchtlinien schneiden Schichten der Tiefenzeit, die Sternradpresse steht nur noch als Kontur – Druck als Erinnerung an Gewicht.

Durch alle Ebenen: eine Helix aus 4.758 Bildflächen, nach Kapiteln geordnet, um einen Lichtschacht. Von oben gesehen ein Gestirn – das Zentralgestirn, das dem Projekt den Namen gibt.
Neun Sätze in die Tiefe und zurück: vom Stift über die Achse in die Black Box, durch die fünf Ebenen von INFERNVM bis CAELVM, zum Zentralgestirn – ∞ – Abspann.
Verdichtete, eigenständige Montage: Fassade, Glut, Schwarm, Gerichtswand, Kuppel – Schnitt auf den Ton der Glocke.
Fiktion einer integrierten, immersiven Ausstellung von GöttwAIg Wunderkammer(21) in der Landesgalerie NÖ, Krems: reale Räume, Renderings der Ebenen als Hologramme darin.
Kamerafahrt durch das 3D-Modell der Ausstellung: neun Einstellungen, außen – TERRA – Stern – INFERNVM – Helix – MICROCOSMVS – DISCRIMEN – CAELVM – Gestirn.
Die lange Fahrt: von Göttweig über die Achse in die Landesgalerie, durch alle Ebenen und zurück in die Totale.
ExperienceRundgang 105 s · Orbit · Gehen · alle Ebenen
Labor15 Module setzen, drehen, skalieren · JSON · PNG · GLB
PVNCTVMSpiel: den einen Standpunkt finden, an dem die Anamorphose stimmt
ARdie Ausstellung als Tischmodell 1:60
Das 3D-Modell ist ein Ausstellungszwilling im Maßstab 1:1 (1 Einheit = 1 m): die fünf gedrehten Geschoße der Landesgalerie als Black Box, darin alle Module der Ebenen, die Archiv-Helix und die Achse nach Göttweig. Zwei Animationen liegen im GLB: Exhibition_Bewegung_180s (Orrery, Schwarm, Scanebene, Gerichtswand, fallende Fragmente) und Kamerafahrt_Exhibition_105s.
Im Labor wird man selbst zur Kuratorin, zum Kurator: Ebenen wählen, Module nur in den freien Zonen der gedrehten Platten setzen, durchgehen, speichern und als GLB exportieren. PVNCTVM ist das Spiel dazu – die 576 Splitter der Anamorphose schließen sich nur in einem einzigen Punkt.
Die unkomprimierten GLB (108 MB / 52 MB) liegen im Archiv. Die Web-Fassungen sind mit Meshopt komprimiert (three.js, Blender ≥ 3.6 mit Add-on, model-viewer). Das Spiel vom dritten Museum aus TRANSLATIO I bleibt Teil des Projekts:
Partikelreliefs aus Tiefenkarten des Archivs – das Artefakt zerfällt in Licht und setzt sich neu zusammen.










Die Landesgalerie als Black Box: Archivhaut auf der Fassade, Glut im Stiegenschacht, Trogers Himmel im Oberlicht, Hologramme der Ebenen im Beton.










Axonometrien, Torsionspläne, Sternfiguren, Schnitte – die Ausstellung als gezeichnete Weltordnung.










Zylinder- und Schräganamorphosen, Laterna-magica-Projektionen, Droste-Kammer, Quadratura: Bilder, die erst vom richtigen Standpunkt aus stimmen.










Hochformat-Kosmologien, Gestirn-Mandalas, die Weltachse über der Wachau – Großbildmontagen von CAELVM bis INFERNVM.










Was oben ist, ist wie das, was unten ist – nur gedreht.
WERK
Konzept, Regie, Bild, Klang, 3D, Programmierung: Markus Wintersberger · medienwerkstatt006 · Masterklasse Experimentelle Medien, Masterstudiengang Digital Design, USTP St. Pölten · Wien, November 2026
GöttwAIg Wunderkammer(21)
Projektleitung: Markus Wintersberger, Dr. phil. Viola Rühse, M.A. · USTP St. Pölten · Universität für Weiterbildung Krems · Stift Göttweig · gefördert vom Land Niederösterreich
ORT
Landesgalerie Niederösterreich, Krems (Architektur: Marte.Marte Architekten, 2019) – die Ausstellung ist eine Fiktion; Fotografien der Begehung vom 4. November 2026.
QUELLEN
Salomon Kleiner: Musei Contignatio media / superior, um 1744 · Paul Troger: Deckenfresko der Kaiserstiege, Stift Göttweig, 1739 · Abt Gottfried Bessel: Chronicon Gotwicense, 1732 · 3D-Scans und Archivbilder aus GöttwAIg Wunderkammer(21)
GEODATEN
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL · Höhenmodell: Terrain Tiles (Mapzen, AWS Open Data)
TECHNIK
three.js r170 · glTF 2.0 / Meshopt · Python · NumPy · OpenCV · Pillow · ffmpeg · H.264 3840 × 2160, 25 fps · Klang synthetisch (NumPy), Lautheit −16 LUFS
KI-TRANSPARENZ
Die Artefakte des Wunderkammer-Archivs enthalten KI-generierte Bilder und Videos aus dem Projekt. Programmierung von AV-Engine, 3D-Szene, Labor, Experience und Website KI-gestützt (Claude, Anthropic); Konzept, Auswahl und Entscheidungen: Markus Wintersberger. mehr →