Olivier Messiaen komponierte sein Quatuor pour la Fin du Temps 1940/41 als Kriegsgefangener im Stalag VIII-A in Görlitz. Acht Sätze; der Titel des Werks und der Sätze II, VI und VII verweisen auf die Offenbarung des Johannes, Kapitel 10: „Es soll hinfort keine Zeit mehr sein.“
2012 übersetzte Markus Wintersberger das Quartett in Licht: rotierende Papierskulpturen, architektonische Modelle, geformte Landschaften, aufgenommen in Mehrfachbelichtung. Sieben der acht Sätze wurden eigene Videos. Unter dem Titel des achten, Louange à l’Immortalité de Jésus, erschien eine 7:33 lange Montage aus allen sieben — ein Rückblick, kein eigener Satz.
Die Neufassung 2026 nimmt diese Lücke als Ausgangspunkt. Sie liest die sieben Sätze neu, jeden mit genau einer Bildoperation, und komponiert den achten zum ersten Mal eigenständig: ausschließlich aus den 237 Photographien von 2012, ohne jede Videobewegung. Wo bei Messiaen die Violine über dem Klavier ins Unhörbare steigt, steigt hier das stehende Bild ins Weiße, zieht sich in einen Punkt zusammen und erlischt.
So versteht sich die ganze Fassung als der achte Satz: jener, in dem die Zeit schon aufgehört hat und der die sieben vorangegangenen von ihrem Ende her liest. Die Dauern der Sätze sind keine dramaturgische Setzung, sondern Messiaens eigene Satzproportionen, maßstäblich auf 7:57 komprimiert.