
I
EINZELBILD
t = 1/25 s
00:36 – 01:22
Die Drehung, wie sie die Kamera sieht: ein Fünfundzwanzigstel. Nur Schwärzungskurve, Lichthof und Korn liegen über dem Material – der kürzeste mögliche Blick auf das Modell.
Zweite Fassung 2026 · alles, was die Kamera selbst vermag
Die Drehung schreibt sich als Licht ins Bild. Acht Belichtungen des rotierenden Modells — von einem Fünfundzwanzigstel bis zur Überbelichtung ins Schwarz.
medienwerkstatt006 / Markus Wintersberger · aus „RAUM 11. Raum Experimente auf Basis eines rotierenden Rotationsmodells“, 1.11.11 / 2012 · sieben Module „Modul Edgar Varèse. Déserts“ · 495 Photographien
STILL · BELICHTUNG VII · DOPPELBELICHTUNG · 3840 × 2160 · UV-BLAU / WOLFRAMWEISS
01 · Die beiden Fassungen
06:54,00 · 10 350 Bilder · 3840 × 2160 · 25 fps · Stereo · Vorspann, acht Belichtungen, Nachspann · auf YouTube ↗
03:33,00 · 5 325 Bilder · gleiche Spezifikation, verdichtete Abfolge, eigener Vor- und Nachspann · auf YouTube ↗
02 · Die zweite Lesung
Diese Fassung verzichtet auf jedes sichtbar digitale Verfahren. Sie kennt nur die Mittel, die 2012 neben dem Modell auf dem Stativ standen: Belichtungszeit, Blitz, Bewegung der Kamera, Brennweite, Über- und Unterbelichtung.
Das Modell dreht sich; die einzige Frage ist, wie lange man hinsieht. Aus einem Fünfundzwanzigstel wird eine halbe Sekunde, aus der halben Sekunde vier – und mit jeder Verlängerung verliert der Würfel an Körper und gewinnt an Spur. Was bleibt, ist keine Abbildung der Skulptur, sondern die Schrift ihrer Bewegung.
Acht Belichtungen bilden die Arbeit. Jede ist ein physikalischer Vorgang, kein Effekt: Integration über Zeit, Zerschneiden des Lichts durch den Blitz, Drehung der Kamera gegen das Objekt, Wandern der Brennweite während der Aufnahme, zwei Aufnahmen auf einer Schicht, schließlich die Sättigung des Materials selbst. Schwärzungskurve, Lichthof um die ausgebrannten Stellen, Korn und ein leicht unruhiger Bildstand gehören dazu wie der Staub im Projektor.
Nur das Material: das UV-Blau der Aufnahmen, das Wolframweiß des Glühlichts, Schwarz. Keine Signalfarben, kein Raster, keine Datenanzeige – die Bildunterschrift nennt lediglich die Belichtungswerte, wie auf der Rückseite eines Abzugs.
Die Originaltöne der sieben Module, auf Band gedehnt: Phasenverwischung, Gleichlaufschwankung, Bandsättigung, Kopfrauschen. Darunter das Laufwerk des Motors mit seiner Unwucht, und dort, wo geblitzt wird, der mechanische Schlag des Verschlusses. Ein stehendes Stereobild, wie zwei Mikrofone im Raum.
ROTATIONSFELD 2026 liest dasselbe Material als Datenraum – Slit-Scan, Partikelfeld, Polarkoordinaten, Halbtonraster, Daten-HUD. LANGZEIT 2026 nimmt die Gegenposition ein: dieselbe Drehung, ausschließlich optisch verhandelt.
03 · Werktext
„Ein Raum ist ein Raum ist eine zeit-räumliche Möglichkeit mehrdimensionaler Erkenntnis Prozesse. Das Raum Modell eines gleichseitigen offenen Würfels stellt eine Synthese dieser Parameter dar. Ein Motor versetzt das Modell in Drehung. Mittels unterschiedlicher Geschwindigkeiten formt und verformt sich die Anschauung des Raumes und erfährt eine Erweiterung seiner Erscheinung in die zeitliche Achse.
Ein Modell ist ein Modell ist eine Annäherung an eine in und an den Raum gestellte Frage und dient nicht der bloßen Beantwortung. Ein Modell erschafft seine eigenen realen Bedingtheiten und verschafft dem Betrachter eine standpunkthafte Dimensionsverschiebung. Es verkleinert, besser komprimiert die These und verschafft dadurch einen erweiterten Blick auf das zuvor konstruierte Reale.
Das Reale ist insofern real, als es sich der Anschauung kaum widersetzt. Das Reale wird aber in der Verschiebung hin zum Modell zu einem Gleichnis einer verborgenen Gesetzmäßigkeit. Erdanziehung, Beschleunigung, Fliehkraft sind sowohl in der physikalischen Bedingtheit unserer Welt von Bedeutung, stellen aber auch wesentliche Bezugspunkte unser gesellschaftlichen Konstitution dar.
Denn die Vereinbarung ist oft mehr als nur eine Chimäre, angesichts einer laboratorischen Versuchsanordnung erfährt diese eine Verkleinerung, wie sie bereits in Gullivers Reisen angesichtig wurde. In der Literatur sind oft mehrfache Spuren begründet, die den künstlerischen Handlungsstrang um ein Wesentliches zum Spiegeln bringen.
Ein Raum ist ein Raum ist ein in den Raum beschleunigtes Gedicht, das die wesentlichen Bausteine unserer Weltbetrachtung in Schwingung bringt.“
MARKUS WINTERSBERGER 2012
04 · Belichtungsprotokoll
Jede Belichtung nennt ihren Wert im Bild – wie eine Notiz am Rand des Abzugs. Die Zeiten beziehen sich auf die Langfassung; der Trailer bringt dieselbe Folge in verdichteter Form.








05 · Quellen
Je 1:34, aus dem rotierenden Modell aufgenommen und nach Varèses „Déserts“ (1950–54) benannt. Click-to-load: vor dem Klick geht keine Anfrage an YouTube.
06 · Kontaktbogen
Quadratische Kontaktabzüge, unbearbeitet. Der Leuchtkasten kippt Bogen und Seite auf den Leuchttisch und zeigt die Aufnahmen als Negative. Das vollständige Archiv: Flickr-Set Raum11. 1.11.11 ↗
07 · Mitwirkende
08 · Chronik
09 · Technik · Dateien
| Ausgangsmaterial | 7 Videomodule 2011/2012 · je 94,5 s · 1920 × 1080 · 25 fps · Stereo — 495 Photographien · 1280 × 853 |
|---|---|
| Langfassung | 06:54,00 · 10 350 Bilder · 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 High 5.1 · AAC 320 kbit/s · −16 LUFS |
| Trailer | 03:33,00 · 5 325 Bilder · gleiche Spezifikation |
| Negativ | Die photochemische Rechnung läuft im Aufnahmeformat 1920 × 1080 (Schwärzungskurve, Halation, Korn, Bildstand, Vignettierung); die Vergrößerung auf 3840 × 2160 erfolgt wie eine Filmabtastung. |
| Belichtungsautomatik | Ein Messwerk regelt in jedem Satz die Dichte nach dem 99-Perzentil der Belichtung – träge, wie eine Kameraautomatik; Satz VIII überfährt sie bewusst. |
| Pipeline | Python · NumPy · OpenCV → ffmpeg (x264, CRF 17) · 15 675 Einzelbilder |
10 · Referenzen