Klick in den Schaum0 Paare aus dem NichtsΔE · Δt ≥ ħ / 2
MEDIENWERKSTATT006 · NEUFASSUNG 2026 · 21.10.2026
VERLORENE FORM
„Nichts“ existiert nicht. Stattdessen gibt es Quantenschaum – und Bronzen, die aus einem Hohlraum entstehen, den ausgeschmolzenes Wachs hinterlassen hat. Die Neufassung verschränkt zwei Arten von Nichts: das Vakuum der Physik und die verlorene Form des Gießers.
Im März 2023 zeigte das Gartenpalais Liechtenstein in Wien die Ausstellung „Cast for Eternity. Die Bronzen der Fürsten von Liechtenstein“. Markus Wintersberger hat dort Bronzen gescannt und als Serie „The Nature of Nothing – Cast for Eternity“ verarbeitet: als Netze, Punktwolken, Splitter, Schaum.
Die Neufassung 2026 nimmt den Titel wörtlich. Eine Renaissance-Bronze entsteht im Guss in verlorener Form: Ein Wachsmodell wird mit Gips ummantelt, im Ofen ausgeschmolzen – und die Gestalt existiert nur noch als Hohlraum, bis flüssige Bronze das Nichts füllt. Die Physik wiederum sagt: Selbst der leere, auf den absoluten Nullpunkt gekühlte Raum ist nicht leer. Aus Unschärferelation und E = mc² folgt, dass Teilchenpaare entstehen und vergehen – Quantenschaum.
So begegnen sich zwei Nichtse: das Vakuum, das Teilchen hervorbringt, und die Hohlform, die Bronzen hervorbringt. Das eine lebt 10⁻²¹ Sekunden, das andere ist „für die Ewigkeit gegossen“ – und doch hat Christus im Elend von Adriaen de Vries (1607) erst etwa 10¹⁰ Sekunden hinter sich.
Die Bildsprache folgt dem Material: Vakuumschwarz, Wachs, Gips, Glut, Bronze, Patina. Gusskanäle werden zu Feynman-Graphen. Typografie in EB Garamond für Inschrift und Geschichte, Space Mono für Messung und Formel; ein logarithmisches Zeitlineal von der Planck-Zeit bis zum Alter des Universums begleitet jedes Bild.
ΔE · Δt ≥ ħ / 2
E = m c²
F / A = − π² ħ c / 240 a⁴
„Nichts“ existiert nicht. Stattdessen gibt es „Quantenschaum“. Teilchen können aus dem Nichts entstehen.nach DON LINCOLN · BIG THINK · 16.2.2023
Nil posse creari de nilo.LUKREZ · DE RERUM NATURA I, 155 f. — „Nichts kann aus Nichts entstehen.“
Unsere Sprache reicht nicht aus, um die Quantenwirklichkeit zu beschreiben.nach MARCELO GLEISER · BIG THINK / 13.8 · 4.1.2023
Die Langfassung folgt dem Guss als Erzählung in sechs Kapiteln – vom Vakuum über Wachs, Hohlform und Glut bis zu Patina und Schaum. Der Trailer ist ein eigener Film: Diptychen aus Positiv und Negativ, Torsionen, Glockenschläge als Schnitt. Bild und Ton sind vollständig generativ aus den 3D-Scans 2023 und einer Bearbeitung des V&A-Lehrfilms zum indirekten Guss der Renaissance entstanden; der Klang ist Bronze – Modalsynthese der Glockenpartialtöne, Paare als links/rechts gespiegelte Impulse.


Eine rekonstruierte, animierte 3D-Szene: das Gartenpalais Liechtenstein in der Rossau als Linienzeichnung, in der Sala terrena 18 Sockel auf einer Ellipse, darüber ein Gusstrichter, von dem Kanäle zu jeder Bronze laufen – ein Feynman-Graph der Sammlung.
Im Raum fluktuiert Quantenschaum, 40 Teilchen–Antiteilchen-Paare entstehen und vergehen, zwei Casimir-Platten atmen. Das Deckenfresko des Herkulessaals (Andrea Pozzo, 1704–08) erscheint als Spiralschaum, in dem Herkules aufsteigt. Die im GLB gespeicherte Kamerafahrt (178 s) führt vom Garten durch das Portal in die Sala terrena, um die Bronzen, hinauf in den Herkulessaal, über das Dach zum Luftbild.
Freie, vereinfachte Rekonstruktion · Domenico Egidio Rossi / Domenico Martinelli, ab 1691 · Fürstengasse 1, 1090 Wien

Die animierte GLB-Szene als simulatives Modell: Film-Modus mit der 178-s-Kamerafahrt, Simulation mit schaltbaren Ebenen – und das Spiel: Fange Teilchenpaare, bevor sie annihilieren, fülle den Gussofen mit ΔE, gieße die 18 Bronzen. Je schneller du die Kamera bewegst, desto größer der Fangkreis (Δx·Δp).
Ein begehbares Gartenpalais in der Ich-Perspektive. Sieben Siegel öffnen sieben Experimente:
Die Scans der Fürstlichen Bronzen als AR-Objekte: auf dem Smartphone in den eigenen Raum stellen (Android: Scene Viewer / WebXR, iOS: Quick Look) – Kleinbronzen auf dem Tisch, Splitter, Kugelkäfige, Schaum.
Wähle ein Ereignis, dann klicke seine Stelle auf dem logarithmischen Lineal (±1,5 Dekaden)
Die Scans entstanden im März 2023 im Gartenpalais und wurden schon damals verwandelt – zu Kugelkäfigen, Splittern, Kristallen, Schaum. Jede Kachel zeigt die Bronze im Streiflicht; ein Klick (oder der Schalter) dreht sie ins Negativ: die Hohlform, das Nichts, aus dem sie gegossen ist.

01 · NETZ
02 · NETZ
03 · NETZ
04 · NETZ
05 · NETZ
06 · PUNKTWOLKE
07 · PUNKTWOLKE
08 · NETZ
09 · NETZ
10 · PUNKTWOLKE
11 · NETZ
12 · PUNKTWOLKE
13 · NETZ
14 · NETZ
15 · PUNKTWOLKE
16 · NETZ
17 · PUNKTWOLKE
18 · NETZVERLORENE FORM baut auf dem Projekt von 2023 auf und verbindet es mit dem Zyklus der Sammlungs- und Archivarbeiten von medienwerkstatt006 – der aufgelösten Wunderkammer, der barocken Sammlung von Göttweig, der Tiefenzeit des Krahuletz-Museums. Das Gartenpalais ist dabei Museum, Archiv und Labor zugleich.
| Werk | THE NATURE OF NOTHING — CAST FOR ETERNITY · VERLORENE FORM (Neufassung 2026) |
| Künstler | Markus Wintersberger · medienwerkstatt006, Wien |
| Bezug | The Nature of Nothing – Cast for Eternity (2023) · Ausstellung „Cast for Eternity. Die Bronzen der Fürsten von Liechtenstein“, Gartenpalais Liechtenstein, Wien, 1.–31.3.2023 |
| AV | Langfassung 4:54 · Trailer 3:24 · 3D-Animation 2:58 · 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 · AAC 48 kHz Stereo · −16 LUFS |
| 3D | GLB (glTF 2.0) mit Animation 178 s und Kamera · 18 Scans (Netze und Punktwolken) · meshopt-Webfassung · 18 Einzel-GLB für AR |
| Interaktiv | Experience FLUKTUATION (three.js) · Art & Science Game ARCHIV DES NICHTS (Web + Desktop macOS) · AR (model-viewer: WebXR, Scene Viewer, Quick Look) |
| Verfahren | Punkt-Splatting-Renderer (Python / NumPy / Numba), generative Klangsynthese (Glocken-Modalsynthese, Paar-Impulse, Faltungshall), ffmpeg · KI-gestützte Umsetzung (Claude, Anthropic) |
| Footage | Bearbeitete Ausschnitte aus „How was it made? Lost-wax bronze casting“ © Victoria and Albert Museum, London |