TEUFE0,0 m20.06.2026
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KERNZEIT

Bohrung Laa 1 · 0 → 2.400 m · 2026 → 150 Mio. Jahre
RELIQUIE WEIN4 — Spurensicherung Laa · installation, exhibition, performance · art-based research informed by geological fieldwork and embodiment · LAA- · GRUND- · MAILBERG- · ERNSTBRUNN-FORMATION · nagl ∼ wintersberger · Kunsthaus Laa · 20.06.2026 · Wein/4-Festival 2026
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Eine Bohrung als Erzählung

Neufassung II · 2026 · nach SALZSPUR (Neufassung I)

KERNZEIT liest RELIQUIE WEIN4 als Bohrkern. Die Bohrung setzt dort an, wo das Projekt öffentlich wurde: am Boden der historischen Bürgerspital-Kapelle des Kunsthaus Laa, während der Performance von Andrea Nagl am 20. Juni 2026. Von dort geht es senkrecht hinunter — durch das Ende des Meeres, die Mailberg-Riffe, die Grund-Formation, den verschütteten Iváň-Canyon und die Laa-Formation bis in den Ernstbrunner Jurakalk.

Jeder Kern bekommt ein eigenes, aus der Geologie abgeleitetes Bildverfahren: Die Zeit wird zu Sediment (Slit-Scan in Schichten), das Bild trocknet und reißt, wird zum Dünnschliff unter gekreuzten Polarisatoren, sinkt nach Korngröße, wird seismisch gelesen, auf einen mikropaläontologischen Zellenträger gelegt und am Ende zu Stylolithen zusammengepresst. Zwischen Laa-Formation und Jura fehlen rund 128 Millionen Jahre: eine Diskordanz, die der Kern nicht erzählen kann.

Teufe und Alter sind schematisch — eine künstlerische Bohrung, keine Bohrlochdokumentation. Die Formationen, ihre Abfolge und die Altersangaben folgen der geologischen Literatur zum Raum Laa an der Thaya (Quellen unten).

AV

Kernzeit · Langfassung

AV-Videoarbeit · 4:44 · 3840 × 2160 · 16:9 · 25 B/s · H.264 / AAC · 2026
KERNZEIT · Bohrung Laa 1Langfassung 4:44 · 4K auf YouTube. Beim Abspielen werden Daten an YouTube (Google) übertragen.
LANGFASSUNG 4:444K UHDVORSPANN · SIEBEN KERNE · DISKORDANZ · KERNKISTE · NACHSPANNBOHRUNG = ERZÄHLUNG
  • 0:00VorspannSandwurf · Kern wird gezogen · KERNZEIT
  • 0:12I · Die KapelleZeitsediment · Chronofotografie
  • 0:45II · Das Ende des MeeresTrockenriss-Montage · Salzausblühung
  • 1:18III · Die Mailberg-RiffeDünnschliff · XPL · λ-Plättchen
  • 1:51IV · Das Badenium-MeerGradierte Schichtung · Sturmlagen
  • 2:24V · Die WendeSeismik · Iváň-Canyon · Gamma-Log
  • 2:57VI · Das Karpatium-MeerZellenträger · Foraminiferen
  • 3:28Diskordanz~128 Millionen Jahre fehlen
  • 3:30VII · Die HorsteStylolith · Drucklösung
  • 4:03KernkisteEin Bohrkern ist eine Reliquie der Zeit
  • 4:19NachspannMitwirkende · Material · Quellen
TR

Kernzeit · Trailer

2:22 · 4K · Hook: 2.400 m in 2 Sekunden · „Late Early Miocene (Ein Rap)“ von Andrea Nagl
KERNZEIT · TrailerTrailer 2:22 · 4K auf YouTube. Beim Abspielen werden Daten an YouTube (Google) übertragen.
  • 0:00Hook0 → 2.400 m in 2,2 Sekunden
  • 0:06Sieben Kerne auf den BeatRap „Late Early Miocene“ (AN)
  • 1:11Karpatium-MeerKapelle · Dünnschliff · Kernkiste · Diskordanz
  • 2:00EndkarteMitwirkende · Quellen
I

Die Kapelle

Kunsthaus Laa · Bürgerspital-Kapelle · Performance Andrea Nagl
Teufe 0 – 1 mAlter 20.06.2026Verfahren Zeitsediment · Slit-Scan in Schichten · Chronofotografie

Stein wird zur Reliquie, Sediment zur Aufzeichnung, Berührung zur Methode.

— Texttafel RELIQUIE WEIN4 · Kunsthaus Laa 2026
Labor I · Zeitsediment

Der oberste Kern ist der jüngste: die Performance von Andrea Nagl zur Eröffnung, gefilmt mit fester Kamera im Langhaus. Im Video wird jede Bildzeile zu einer Schicht. Oben ist das Jetzt, nach unten liegen die Zeilen immer weiter in der Vergangenheit. Der Raum bleibt, der Körper lagert sich ab.

Im Labor wird aus den Serienfotos der Eröffnung (oder, wenn Sie wollen, aus Ihrer eigenen Kamera — die Bilder verlassen Ihren Rechner nicht) dieselbe Stratigrafie aus Zeit gebaut. Dazu kommt eine Chronofotografie nach Étienne-Jules Marey: Mehrere Momente erscheinen gleichzeitig im selben Bild.

II

Das Ende des Meeres

Evaporit · Salzsteppe Zwingendorf · Badenium ~13 Ma
Teufe 1 – 40 mAlter ~13 MaVerfahren Trockenriss-Montage · Salzausblühung

Das Ende des Meeres war salzig, gipsig, austrocknend, still.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor II · Trockenriss
Klick = Riss setzen

Wenn ein Meer verdunstet, schrumpft der Schlamm und reißt in Polygone. Aus den Rissen wächst Salz. In KERNZEIT ist jedes Polygon ein Fenster in ein anderes Material: Trockenrisse aus der Recherche bei Laa, die Salzkruste, Andrea Nagls Salz-Gatsch-Experimente im Atelier und die KI-Halophyten von Zwingendorf. Zuletzt deckt das Salz alles zu.

Im Labor setzen Sie per Klick die Risse selbst und regeln die Trocknung.

III

Die Mailberg-Riffe

Mailberg-Formation · Badenium ~14,5 Ma
Teufe 40 – 160 mAlter ~14,5 MaVerfahren Dünnschliff · gekreuzte Polarisatoren · λ-Plättchen

Die Mailberg-Riffe waren rotalgenrot, dick, muschelschwer, sonnendurchflutet.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor III · Polarisationsmikroskop
Ziehen = Tisch drehen

Unter dem Polarisationsmikroskop leuchtet Gestein in Interferenzfarben. Die Farbe hängt vom Gangunterschied ab, den ein Kristall erzeugt: erste Ordnung grau und weiß, dann Gelb, Rot, Blau, Grün … (Michel-Lévy-Farbtafel). Dreht man den Tisch, löschen die Körner nacheinander aus.

KERNZEIT schleift so die Videobilder aus Mailberg und Göllersdorf: Hände mit Muschelschill, Kalk, Fels. Die Helligkeit des Bildes wird zum Gangunterschied. Die Farbe ist hier berechnet, aus einer spektralen Simulation der Interferenz mit den CIE-Farbfunktionen.

IV

Das Badenium-Meer

Grund-Formation · Unteres Badenium ~15,5 Ma
Teufe 160 – 420 mAlter ~15,5 MaVerfahren Gradierte Schichtung · Pixel sinken nach Korngröße

Das Badenium-Meer war warm, subtropisch, energiereich, stürmisch. Die Grund-Formation: graubraun, gelbgrau, gelbbraun, braungelb. Kein Witz.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor IV · Sediment schütten

Nach einem Sturm sinken grobe Körner zuerst, feine zuletzt: Es entsteht gradierte Schichtung. In KERNZEIT sinken die Pixel des Films nach Helligkeit („Korngröße“) zu Boden. Jede Lage ist ein eingefrorener Moment aus Sand, Feld und Wurf, getönt in den vier Farben der Formationsbeschreibung. Ältere Lagen werden kompaktiert, Sturmlagen wirbeln alles auf.

V

Die Wende

Iváň-Canyon · Karpatium → Badenium ~16 Ma
Teufe 420 – 900 mAlter ~16 MaVerfahren Seismik · Variable-Area-Wiggle · Gamma-Log

Der Fluss, der den Canyon grub: tief, schmal, chaotisch, dann ertrunken.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor V · Seismisches Profil
Ziehen = Messlinie

Der Iváň-Canyon zwischen Laa an der Thaya und Mikulov ist heute nur im Untergrund nachweisbar: in seismischen Profilen und Bohrungen (Dellmour & Harzhauser 2012). KERNZEIT liest Video wie ein Geophysiker. Jede Bildspalte wird zu einer seismischen Spur, Helligkeitskanten werden zu Reflektoren. Der Canyon schneidet die Reflektoren ab und wird chaotisch verfüllt.

VI

Das Karpatium-Meer

Laa-Formation · Karpatium ~17 Ma · Typuslokalität Laa an der Thaya
Teufe 900 – 1.600 mAlter ~17 MaVerfahren Mikropaläontologischer Zellenträger · Binokular

Das Karpatium-Meer war blaugrau, sandig, nährstoffreich, kühl. Die Foraminiferen darin: winzig, gekammert, unverwühlt, gestreift von Stürmen.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor VI · Zellenträger · 60 Zellen
Klick = Zelle unter das Binokular

Mikropaläontolog:innen legen ausgelesene Foraminiferen auf schwarze Zellenträger mit nummerierten Feldern. Die Laa-Formation ist reich an diesen winzigen gekammerten Einzellern (Rögl 1968). In KERNZEIT wird der Zellenträger zur Bühne: Zeichnungen von Andrea Nagl, die KI-Foraminiferen von 2025, Performance-Momente und Videos (u. a. „Kitsch Frau Karpatium-Meer versinken“). Das Binokular holt eine Zelle nach der anderen heran, im Takt ihres Songs „Karpatium-Meer“.

Die Gattungsangaben in den Zellen sind mit „cf.“ versehen. Es sind künstlerische Zuordnungen, keine Bestimmung.

DISKORDANZ

128 000 000 Jahre

Zwischen der Laa-Formation (Karpatium, ~17 Ma) und dem Ernstbrunner Kalk des Oberjura (~150 Ma) fehlt im Kern die Zeit. Was dazwischen abgelagert wurde, ist abgetragen oder nie entstanden. Eine Schichtlücke ist die ehrlichste Stelle jeder Bohrung.

VII

Die Horste

Ernstbrunn-Formation · Oberjura / Tithonium ~150 Ma
Teufe 1.600 – 2.400 mAlter ~145–152 MaVerfahren Stylolith · Drucklösung

Die Horste darüber: angehoben, kristallin, vergessen, dann Kalk.

— Andrea Nagl, „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026
Labor VII · Drucklösung

Unter Auflast löst sich Kalk an Korngrenzen auf. Zurück bleiben gezackte, dunkle Nähte aus unlöslichem Rückstand: Stylolithen. Was gelöst wurde, ist weg. Hier wird Zeit buchstäblich zusammengepresst. Im Film sind die Bänder Videos vom Buschberg (Embodied Geology, MAMUZ 22.03.26), von Kalkplatten und vom Steinbruch. Unter Druck rücken sie zusammen, bis nur die Nähte übrig sind.

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Kernlager · Archiv

Neues Material aus den Freigabeordnern 2025/26 · 82 Bilder
Q

Mitwirkende · Material · Quellen

RELIQUIE WEIN4 — Spurensicherung Laa · Kunsthaus Laa 2026 · Neufassung II
  • Künstlerische Leitung
    nagl ∼ wintersberger — Andrea Nagl · Markus Wintersberger
  • Andrea Nagl
    Embodied Geology, Choreografie, Performance, Fieldnotes, Zeichnungen, Evaporit-Protokolle, Salz-Gatsch, Kalk-Latex, Foraminiferen, Text, Song, Rap
  • Markus Wintersberger
    Medienkunst, AI Future Fossils, 3D/XR, Video, Fotografie, Kamera der Performance 20.06.26
  • Kunsthaus Laa
    Elisabeth Ledersberger-Lehoczky · Bürgerspital-Kapelle, Laa an der Thaya · Wein/4-Festival 2026 · Viertelfestival NÖ
  • Material dieser Fassung
    Performance-Videos und Serienfotos der Eröffnung (IMG_2447–2710) · Recherche Laa 08.11.25, 20.12.25 (Göllersdorf, Mailberg), 13.02.26, 09.04.26, 25.04.26 · Buschberg/MAMUZ 22.03.26 · Atelier AN: Salz-Gatsch 27./28.04.26 · Videos AN: Song Silt-Sand gelbgraue, Knarz mich nachdenklich versinken, Kitsch Frau Karpatium-Meer versinken, Schnitt Laa SteinbruchKunst · Video Canyon KI V160626 · floating foraminifera (AI 2025) · Halophyten (Gemini AI) · Isometrien (Apple Maps / Gemini) · Foraminiferen-3D (Meshy, nach Zeichnungen AN) · Venusmuschel (CC0)
  • Text
    Andrea Nagl: „Skurrile Aufzählung (als Gedicht)“, 2026 · Texttafel RELIQUIE WEIN4
  • Ton
    Andrea Nagl: „Late Early Miocene (Ein Rap)“, „Karpatium-Meer“, „Mailberg-Riffe son (Schlager)“ · „Suche RELIQUIE WEIN4“ (Performance-Ton) · LaaFm Wasser ansaugen · Klippe und Retorte (Gemini) · Lithosonus (ElevenLabs) · Bohrklang-Synthese
  • Rögl, F. (1968)
    Die miozäne Foraminiferenfauna von Laa an der Thaya in der Molassezone von Niederösterreich
  • Rögl, F., Hofmann, T., Zorn, I., Brzobohatý, R. & Stojaspal, F.
    Die Typuslokalität der Laaer Serie (Karpat) · ÖGG-Exkursionsführer 17
  • Roetzel, R. (2009)
    Erläuterungen zu Blatt 23 Hadres · Geologische Karte der Republik Österreich 1:50 000
  • Wessely, G.
    Das autochthone Mesozoikum im Raum Laa an der Thaya – Staatz
  • Glaessner, M. (1931)
    Geologische Studien in der äußeren Klippenzone
  • Dellmour, R. & Harzhauser, M. (2012)
    The Iváň Canyon, a large Miocene canyon in the Alpine-Carpathian Foredeep · Marine and Petroleum Geology
  • Michel-Lévy, A. (1888)
    Les minéraux des roches — Interferenzfarbtafel
  • Marey, É.-J. (1882)
    Chronophotographie
  • Neufassung II · 2026
    Konzept, Montage, Code, Klang: medienwerkstatt006 / nagl ∼ wintersberger · realisiert mit Claude (Anthropic) · Python, NumPy, OpenCV, FFmpeg, three.js · Schriften: Archivo, IBM Plex Mono (SIL OFL)
◆ Gesamtprojekt RELIQUIE WEIN4