Cosmic Comic Selfie in alpiner Landschaft
Markus Wintersberger · Medienkunst / AR / XR / Performance · 2017

Cosmic Comic Selfie

AR Collagen und XR Intersubject POP UP Studien
Werkjahr2017
FormatSerielle Bildstudie
TechnikMobile AR · Fotografie · Collage
Archiv266 Bilder · 6 Kapitel

Cosmic Field

Maus oder Finger führen den digitalen Schwarm. Jede Bewegung verändert die temporäre Bildkonstellation.

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Das Bild als vorübergehende Versammlung

Cosmic Comic Selfie

Eine Bildserie über den Körper, der sein Alleinsein verliert: Landschaft, Kamera, Interface, Affektzeichen und digitale Wesen treten als gleichberechtigte Mitspieler in eine provisorische Wirklichkeit ein.
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Nicht der Mensch erweitert hier die Realität. Die Realität erweitert den Menschen – bis seine Kontur nur noch eine verhandelbare Membran ist.

Cosmic Comic Selfie 2017 operiert im Zwischenraum von Selbstbild, Bildstörung und performativer Versuchsanordnung. Ausgangspunkt ist die beiläufige Geste des mobilen Fotografierens: eine Figur steht, blickt, posiert; ein Ort wird zum Hintergrund. Doch die digitale Schicht verweigert die Rolle bloßer Dekoration. Sie setzt sich an den Körper, umkreist ihn, kostümiert und verdoppelt ihn, verdeckt sein Gesicht oder ersetzt einzelne Glieder durch überdimensionierte Zeichen. Das Selfie wird von einer Technik der Selbstbestätigung in ein Labor der Selbstentgrenzung überführt.

Die Serie nimmt die populäre Grammatik früher mobiler AR-Effekte ernst, ohne ihr zu gehorchen. Emojis, Handschuhe, Tierkörper, Blüten, Wolken, Blasen und cartoonhafte Kostüme erscheinen zunächst als vertraute Elemente einer kommerziellen Bildsprache. In der seriellen Wiederholung kippen sie aus der Mitteilung in Materialität. Ein Emoji bedeutet nicht mehr nur Freude, Angst oder Müdigkeit; es bildet einen Schwarm. Ein digitaler Handschuh kommentiert keine Geste, sondern wird zur Prothese. Die Banane ist kein Witzobjekt mehr, sondern eine prekäre zweite Haut. Aus dem Vokabular der Plattform entsteht eine eigentümliche Kosmologie des Alltags.

Die fotografierte Person fungiert weder als souveränes Zentrum noch als passives Display. Sie wird zur Kontaktzone heterogener Akteure: geologischer Ort, Körperhaltung, Kleid, Licht, Software-Erkennung, grafisches Objekt und kulturelles Gedächtnis begegnen einander auf derselben Bildebene. Intersubject bezeichnet kein harmonisches Miteinander fertiger Subjekte. Gemeint ist ein Subjekt, das erst im Dazwischen – in der Kopplung von Blicken, Medien und Dingen – vorübergehend Gestalt annimmt.

In den alpinen Sequenzen öffnet sich eine produktive Maßstabsstörung. Die monumentale Landschaft, klassisch als Bühne des Erhabenen gelesen, wird von fragilen popkulturellen Auflagerungen durchkreuzt. Das Heroische schrumpft zum Sticker; zugleich gewinnt der Sticker körperliche Macht. Naturraum, Datenspur und performative Pose koexistieren als widersprüchliche Schichten eines einzigen Ereignisses.

Die Innenraum- und Pop-up-Studien verschieben diesen Vorgang in eine soziale Situation. Vor Wand, Display, Spiegel oder institutionellem Zeichen wird das digitale Kostüm zur öffentlichen Behauptung. Die Bilder fragen, wem der Körper gehört, sobald er von Interfaces gelesen und von vorgefertigten Affektformen zurückadressiert wird. Das Komische ist dabei keine Entlastung, sondern eine präzise Methode: Durch Übertreibung, falsche Proportion und groteske Anlagerung wird sichtbar, wie Plattformen Identität in konsumierbare Gesten zerlegen.

Das „Cosmic“ bezeichnet weniger den Weltraum als eine Verteilung von Handlungsmacht. Alles kann zum Mitspieler werden; jede Oberfläche kann antworten. Das „Comic“ hält diese Ontologie beweglich, leicht und instabil. Das „Selfie“ bleibt als beschädigte Ausgangsform erhalten: nicht mehr Porträt eines autonomen Ichs, sondern momentane Aufnahme einer Versammlung, die sich im nächsten Bild bereits anders zusammensetzt.

WerkstatusSerielle Studie · künstlerische Forschung · 2017
BildlogikPose · Schichtung · Wiederholung · Mutation
LeitbegriffeIntersubjektivität · Embodiment · Pop-Affekt
Hybrid ohne Gattungsgrenze

Genre — Technik Zuordnung

Die Aussage entsteht aus dem Wechselspiel von performativer Fotografie, mobiler Augmented Reality, digitaler Collage und serieller künstlerischer Forschung.

Genre / Format
Technik / Verfahren
Funktion in der Arbeit
AR-Collage

Mobile AR-Effekte, kamerabasierte Überlagerung, Sticker und Partikelsysteme

Realer Ort und grafische Fremdkörper werden zu einer gemeinsamen widersprüchlichen Bildebene verschaltet.

XR Intersubject Study

Erweiterter Realitätsraum, Mensch–Software–Objekt-Kopplung, situative Bildhandlung

Subjektivität erscheint als Relation: Körper, Blick, Interface, Landschaft und Zeichen erzeugen einander wechselseitig.

Performative Fotografie

Pose, Selbstinszenierung, mobile Kamera und serielle Variation

Der Körper dient zugleich als Motiv, Träger, Widerstand und Maßstab der digitalen Anlagerung.

Post-Internet / Pop

Emoji-Vokabular, Cartoon-Prothesen, Meme-Ästhetik und Affektzeichen

Vorgefertigte Online-Gesten werden aus ihrem Kommunikationsnutzen gelöst und als kulturelles Rohmaterial untersucht.

Digitale Körpercollage

Maskierung, Überblendung, Skalierung, ornamentale Verdichtung und synthetisches Kostüm

Kleidung, Haut, Accessoire, Schwarm und Umgebung tauschen ihre Rollen; die Körpergrenze wird porös.

Serielle Bildforschung

Wiederholung, motivische Gruppen, vergleichende Sequenzen und Pop-up-Versuchsanordnung

Erkenntnis entsteht in Differenzen: Was bleibt vom Körper, wenn pro Bild nur eine Variable wechselt?

Interaktive virale Erweiterung

XR Intersubject Machine

Drei Archivkörper, zwölf Bildschnitte, ein vorläufiges Subjekt. Jede Mutation besitzt einen reproduzierbaren Cosmic Code – derselbe Link erzeugt dieselbe Figur.

Wer bist du zwischen den Bildern?

Lade Kosmos …

Die Maschine montiert Schichten aus allen sechs Motivfamilien. Sie behauptet keine neue Identität, sondern produziert eine zeitweilige Allianz zwischen Körper, Affekt und Umgebung.

Aktuelle Mutationwird berechnet
Viral, aber nicht flüchtig: Ein geteilter Code rekonstruiert die gleiche Konstellation. Das Bild kann zusätzlich als persönliche Cosmic Card gespeichert werden.
Das kuratierte Archiv

Sechs Bildkapitel

72 Motive – geordnet nach räumlicher Versuchsanordnung, Körperlogik und digitaler Affektform. Jedes Bild lässt sich groß öffnen, direkt verlinken und teilen.